Wie schneidet die Greater Zurich Area im Vergleich zu Technologiezentren wie Tel Aviv oder dem Silicon Valley ab? Pierre Heumann, Nahost-Korrespondent der Weltwoche, erklärt in diesem Interview, weshalb er die Greater Zurich Area zu den weltweit führenden Standorten für künstliche Intelligenz und Robotik zählt, was ihn an der Region besonders überrascht hat und warum sie seiner Ansicht nach international deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient.

Dieser Beitrag ordnet einen aktuellen Weltwoche-Artikel ein, «Roboter-Grossmacht Zürich», geschrieben von Pierre Heumann, Nahost-Korrespondent der Zeitung, nach einem Gespräch mit unserem Team. 

Der Artikel von Pierre Heumann hat uns aus vielerlei Hinsicht überrascht. Zum einen schreibt er als Korrespondent mit Sitz in Tel Aviv, einer Stadt, die selbst zur Weltspitze der Tech-Szene gehört. Zum anderen werden im internationalen Wettbewerb um Technologie meist andere Standorte zuerst genannt, Silicon Valley, Boston, Tel Aviv selbst, kaum je Zürich. Doch das Bild, das Heumann von der Greater Zurich Area zeichnet, schmeichelt uns nicht nur, es bestätigt auch etwas, das wir schon länger glauben: Wir müssen uns nicht verstecken. Wir haben viel zu bieten. 

Er beschreibt eine Region, die 2004 mit der Ankunft von Google ihren Startschuss zum Tech-Standort erhielt, in der ETH Zürich und Universität Zürich zu zwei von Europas produktivsten Motoren für wissenschaftsbasierte Spin-offs wurden, und die sich zuletzt zu einer der ernstzunehmenderen Robotik-Szenen der Welt entwickelt hat, von Amazons Übernahme von RIVR bis zu den vierbeinigen Inspektionsrobotern von Anybotics, getragen von Risikokapital, das den Talenten weiterhin folgt. Für dieses Bild sprach er mit Stimmen von Anthropic über den ETH-Präsidenten bis zu den Gründern und Investoren hinter diesen Unternehmen. 

 

Spätestens da wurde mir klar: Hier geht es nicht einfach um eine lokale Erfolgsgeschichte, sondern hier entsteht eines der weltweit führenden Zentren für künstliche Intelligenz und Robotik.
Pierre Heumann Portrait
Pierre Heumann - Journalist

Fünf Fragen an Pierre Heumann

Pierre Heumann ist Schweizer Journalist und Nahost-Korrespondent der Weltwoche mit Sitz in Tel Aviv. Wir haben ihn gefragt, wie ausgerechnet er auf das reagierte, was er in der Greater Zurich Area vorfand. 

Was hat dich als Journalist am meisten beeindruckt, als du auf diese Zürcher Robotik-Geschichte gestossen bist? 

Pierre Heumann: Ich lebe seit fast 30 Jahren in Tel Aviv und berichte unter anderem über die israelische Hightech-Szene. Israel gilt als Start-up Nation, und entsprechend hoch ist meine Messlatte. Umso mehr hat mich Zürich beeindruckt. Ich hatte nicht erwartet, hier eine derart hohe Konzentration an Spitzenforschung, erfolgreichen Gründern und globalen Technologiekonzernen anzutreffen. Der Unterschied zu Israel liegt weniger in der Innovationskraft als in der Art, wie sie präsentiert wird. In Tel Aviv wird jede Erfolgsgeschichte sofort und laut erzählt. Zürich arbeitet viel leiser, aber auf einem ebenfalls hohen Niveau. 

Wie bist du überhaupt darauf aufmerksam geworden, dass Zürich in diesem Bereich so weit vorne mitspielt? 

Eigentlich über Israel. Als Nahost-Korrespondent verfolge ich die israelische Hightech- und Start-up-Szene seit vielen Jahren. Dabei stiess ich in letzter Zeit häufiger auf Zürich. Ein Schlüsselmoment war die Übernahme des Zürcher KI-Sicherheits-Start-ups Lakera durch den israelischen Cybersecurity-Konzern Check Point, für einen geschätzten Kaufpreis von rund 300 Millionen Dollar. Check Point wollte Zürich danach zu einem seiner wichtigsten Standorte für KI-Sicherheitsforschung machen. Spätestens da wurde mir klar: Hier geht es nicht einfach um eine lokale Erfolgsgeschichte, sondern hier entsteht eines der weltweit führenden Zentren für künstliche Intelligenz und Robotik.

Entdecken Sie das Silicon Valley of Robotics

Entdecken Sie das Silicon Valley of Robotics

Die Schweiz gilt als das Silicon Valley der Robotik. Die Greater Zurich Area trägt massgeblich zu dieser Spitzenposition bei: Ihre Hochschulen und Technologieunternehmen zählen in den Bereichen autonome und intelligente Systeme, Computer Vision, Sensortechnologie und Künstliche Intelligenz zur Weltspitze. Gleichzeitig bilden die traditionellen Stärken der Schweiz im Maschinenbau und in der Präzisionsindustrie die Grundlage für diese führende Position.

Was hat dich während der Recherche am meisten überrascht? 

In Israel lebt Innovation oft von Tempo, Improvisation und Risikobereitschaft. Zürich setzt stärker auf wissenschaftliche Tiefe, Präzision und langfristige Entwicklung. Beides führt zu Innovation, aber auf unterschiedliche Weise. 

Gab es einen Moment, wo du dachtest: Das muss ich unbedingt erzählen? 

Ja. Irgendwann wurde mir klar, dass die eigentliche Geschichte nicht die Roboter sind, sondern der Wettbewerb um die klügsten Köpfe. Die grossen Technologiekonzerne investieren Riesensummen, um die besten Forscher zu gewinnen. Zürich ist zu einem der wichtigsten Schauplätze dieses globalen Wettlaufs geworden. Das ist eine Geschichte, die weit über Technologie hinausgeht. Sie betrifft Bildung, Wirtschaftspolitik und letztlich die Frage, wer die Technologien der Zukunft entwickelt. 

Was nimmst du persönlich aus dieser Recherche mit, auch über die Robotik-Geschichte hinaus?

 Als Nahost-Korrespondent berichtet man über Krisen, Konflikte und Kriege. Diese Recherche war das genaue Gegenteil. Sie zeigte, was möglich ist, wenn kluge Köpfe, exzellente Hochschulen, Kapital und unternehmerischer Mut zusammenkommen. Sie hat mich daran erinnert, dass Zukunft nicht nur von geopolitischen Konflikten geprägt wird, sondern auch von Menschen, die neue Lösungen entwickeln für Fragen, von denen ich zuvor nichts gewusst hatte. Und sie hat meinen Blick auf Europa verändert: Wer wissen will, wo die nächste industrielle Revolution vorbereitet wird, muss nicht nur ins Silicon Valley, Boston oder nach Tel Aviv schauen, sondern eben auch nach Zürich. 

«Roboter-Grossmacht Zürich» von Pierre Heumann, Weltwoche Nr. 30.26

Hochqualifizierte Fachkräfte sind der Schlüssel zu nachhaltigem Unternehmenserfolg

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