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microagi

microagi, das europäische Robotikunternehmen, das 2025 von ehemaligen Formel-1-Ingenieuren gegründet wurde, entschied sich 2026 für die Greater Zurich Area als Standort seines globalen Hauptsitzes für Forschung und Entwicklung (F&E) im Bereich Robotik und Physical AI. Vom Büro an der Bahnhofstrasse – direkt neben der ETH Zürich – entwickelt das Team die Forschungsgrundlagen für Atlas: eine Daten- und Deployment-Plattform, die Industrieunternehmen dabei unterstützt, Roboter zuverlässig in der Produktion einzusetzen. Mit einer Seed-Finanzierung von 55 Millionen US-Dollar – der bislang grössten Seed-Runde eines deutschen Unternehmens – gewinnt microagi Spitzenkräfte von der ETH Zürich, Google DeepMind und Apple. Damit unterstreicht das Unternehmen die Rolle der Greater Zurich Area als führender Standort für Robotik und Physical AI der nächsten Generation.

Wir haben mit Bercan Kilic, Co-Founder & CEO, und Nico Nussbaum, CTO, über die strategische Entscheidung gesprochen, den globalen Hauptsitz für Forschung und Entwicklung im Bereich Robotik und Physical AI in der Greater Zurich Area aufzubauen. Im Gespräch erläutern sie zudem ihre Vision für Physical AI und ihre Perspektive auf die Zukunft der Industrierobotik in Europa.

Der Aufbau unseres Forschungsstandorts in der Greater Zurich Area war einfacher als erwartet. Wir hatten mit den üblichen Hürden gerechnet, die ein neues Land mit sich bringt: administrativer Aufwand, langwierige Rekrutierungsprozesse und das Gefühl, als neues Unternehmen zunächst Aussenseiter zu sein. Vieles davon ist jedoch gar nicht eingetreten.
Bercan Kilic CEO Microagi, Portrait
Bercan Kilic - Co-Founder & CEO, microagi

Von der Formel 1 to Physical AI

1. Was hat euch dazu inspiriert, microagi zu gründen?

microagi ist ein europäisches Unternehmen, das sich auf die Einführung von Robotik in industrielle Anwendungen spezialisiert hat. Wir haben das Unternehmen 2025 gegründet, weil Europa die moderne Industrie geprägt hat und heute Gefahr läuft, seine Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren. Die Produktion in Europas Fabriken liegt unter dem Niveau von vor zehn Jahren. Gleichzeitig geht die Generation erfahrener Fachkräfte schneller in Pension, als sie ersetzt werden kann. Europa wird die nächste Wettbewerbsrunde weder über tiefere Löhne noch über tiefere Energiekosten gewinnen. Deshalb bleibt die Automatisierung der entscheidende Hebel: Roboter müssen in realen Fabriken zuverlässig produktive Aufgaben übernehmen.

Wir entwickeln eine Plattform namens Atlas. Ihre Aufgabe ist klar umrissen und anspruchsvoll: Sie macht aus einem Roboter, der in einer Demonstration überzeugt, ein System, das auch Monate später noch im laufenden Betrieb eingesetzt wird. Genau an diesem Übergang scheitern die meisten Robotikprojekte in der Industrie. Dieses Problem lösen wir.

Unser Hauptsitz befindet sich in München. Unser globaler Hauptsitz für Robotikforschung liegt in der Greater Zurich Area, direkt neben der ETH Zürich. Darüber hinaus verfügen wir über kleinere Standorte in London, Istanbul und New York. Wir haben eine Seed-Finanzierungsrunde über 55 Millionen US-Dollar unter der Leitung von Hummingbird abgeschlossen. Weitere Investoren sind Northzone, LocalGlobe, Village Global und redalpine. Nach unserem Kenntnisstand handelt es sich dabei um die bislang grösste Seed-Finanzierungsrunde eines deutschen Unternehmens

Auch unser Team ist ungewöhnlich. Viele von uns kommen aus der Formel 1 sowie aus der Physik und Mathematik, statt aus grossen Technologieunternehmen. Zudem arbeiten wir direkt in den Produktionshallen unserer Kunden und nicht aus der Distanz.

Wir gingen davon aus, dass die Rekrutierung exzellenter Forschender in den Bereichen Robotik und Machine Learning unser grösster Engpass sein würde. Mit der ETH Zürich direkt vor der Tür hat sich diese Sorge jedoch fast sofort erledigt. Die Menschen, die wir suchen, sind hier. Und sie möchten an anspruchsvollen physischen Fragestellungen arbeiten und nicht am nächsten Empfehlungssystem.
Nico Nussbaum CTO Microagi.png
Nico Nussbaum - CTO, microagi

2. microagi ist ein Datenforschungslabor, das an Embodied Physical AI arbeitet – insbesondere an End-to-End Physical AGI. Wie entwickelt sich das?

Roboter und die Modelle, die sie steuern, werden zunehmend zur Standardtechnologie. Nur wenige Unternehmen entwickeln die leistungsfähigste Hardware und die besten Foundation Models. Diese stehen anschliessend nahezu allen gleichzeitig zur Verfügung. Bei Daten ist das anders. Die Daten darüber, wie eine bestimmte Produktionsanlage arbeitet, sind einzigartig und bleiben auf diese Anlage beschränkt. Durch allgemeines Training erreicht ein Roboter etwa 95 Prozent einer Aufgabe. Danach kommt er nicht mehr entscheidend weiter. Ob er sich in einer realen Produktionsumgebung bewährt, entscheiden die letzten wenigen Prozent. Und diese lassen sich nur mit den Daten genau dieser Anlage erreichen.

Deshalb verstehen wir uns als Datenforschungslabor. Atlas erfasst physische Arbeitsabläufe in der laufenden Produktion, wandelt sie in Trainingsdaten um und passt das beste verfügbare Modell an die jeweilige Produktionsanlage an. Diese Daten kombinieren wir mit unserem eigenen Datenbestand, einer der weltweit grössten Sammlungen physischer Arbeitsdaten. Die Forschung dahinter, vom Post-Training über Simulationen bis zum Fine-Tuning, findet in der Greater Zurich Area statt.

Die Entwicklung verläuft schneller, als wir erwartet haben. Vom ersten Pilotprojekt bis hin zum produktiven Einsatz vergehen in der Regel rund fünf Jahre. Wir schaffen diesen Schritt in etwa achtzehn Monaten. Mit jeder weiteren Einführung wird die nächste schneller, weil der Datenbestand wächst. Europa verfügt über zwei Jahrhunderte an Daten, die in seinen Fabriken verborgen sind. Wer daraus funktionierende Maschinen macht, wird sich in der nächsten Phase der Industrialisierung einen entscheidenden Vorteil verschaffen.

Vom ersten Pilotprojekt bis hin zum produktiven Einsatz vergehen in der Regel rund fünf Jahre. Wir schaffen diesen Schritt in etwa achtzehn Monaten. Mit jeder weiteren Einführung wird die nächste schneller, weil der Datenbestand wächst.
Bercan Kilic CEO Microagi, Portrait
Bercan Kilic - Co-Founder & CEO, microagi

Entdecken Sie das Silicon Valley of Robotics

Entdecken Sie das Silicon Valley of Robotics

Die Schweiz gilt als das Silicon Valley der Robotik. Die Greater Zurich Area trägt massgeblich zu dieser Spitzenposition bei: Ihre Hochschulen und Technologieunternehmen zählen in den Bereichen autonome und intelligente Systeme, Computer Vision, Sensortechnologie und Künstliche Intelligenz zur Weltspitze. Gleichzeitig bilden die traditionellen Stärken der Schweiz im Maschinenbau und in der Präzisionsindustrie die Grundlage für diese führende Position.

Europas Industrie neu stärken

Der Aufbau eines Robotikunternehmens erfordert mehr als technologische Durchbrüche. Entscheidend sind die richtigen Talente, starke Industriepartner und ein Umfeld, das Innovationen schnell in die Produktion bringt.

3. Die vergangenen Monate dürften sehr intensiv gewesen sein. Was hat euch seit der Gründung von microagi am meisten überrascht oder was war eure wichtigste Erkenntnis?

Zwei Dinge haben uns überrascht.

Das Erste, was uns überrascht hat, ist, wie bereit die europäische Industrie ist. Oft heisst es, europäische Industrieunternehmen seien langsam und risikoscheu. Unsere Erfahrung ist genau das Gegenteil. Sie erkennen den demografischen Wandel und den Kostendruck klarer als alle anderen. Und sobald sie einen Roboter sehen, der tatsächlich funktioniert, nicht nur in einer Demonstration, sondern im realen Produktionseinsatz, handeln sie schnell. Die Nachfrage ist grösser und dringlicher, als wir erwartet hatten.

Das Zweite ist das Thema Talente, was direkt zur Greater Zurich Area führt. Wir gingen davon aus, dass die Rekrutierung exzellenter Forschender in den Bereichen Robotik und Machine Learning unser grösster Engpass sein würde. Mit der ETH Zürich direkt vor der Tür hat sich diese Sorge jedoch fast sofort erledigt. Die Menschen, die wir suchen, sind hier. Und sie möchten an anspruchsvollen physischen Fragestellungen arbeiten und nicht am nächsten Empfehlungssystem.

4. Gibt es etwas, das bei diesem strategischen Schritt einfacher war als erwartet?

Der Aufbau unseres Forschungsstandorts in der Greater Zurich Area war einfacher als erwartet. Wir hatten mit den üblichen Hürden gerechnet, die ein neues Land mit sich bringt: administrativer Aufwand, langwierige Rekrutierungsprozesse und das Gefühl, als neues Unternehmen zunächst Aussenseiter zu sein. Vieles davon ist jedoch gar nicht eingetreten.

Am deutlichsten zeigt sich das bei der Rekrutierung erfahrener Forschender. Rund um die ETH Zürich und in der Deep-Tech-Szene der Greater Zurich Area gibt es eine aussergewöhnlich hohe Dichte an Talenten. Deshalb mussten wir nur selten Mitarbeitende für einen Umzug gewinnen oder sie überhaupt von einem Wechsel überzeugen. Die meisten waren bereits hier. Einige sind sogar von sich aus auf uns zugekommen.

Auch der Standort selbst ist äusserst praxisnah. Er ist auf technologieorientierte Unternehmen ausgerichtet, und die Rahmenbedingungen sind klar. Das macht einen grossen Unterschied, wenn man schnell vorankommen will.

Oft heisst es, europäische Industrieunternehmen seien langsam und risikoscheu. Unsere Erfahrung ist genau das Gegenteil. Sie erkennen den demografischen Wandel und den Kostendruck klarer als alle anderen. Und sobald sie einen Roboter sehen, der tatsächlich funktioniert, nicht nur in einer Demonstration, sondern im realen Produktionseinsatz, handeln sie schnell. Die Nachfrage ist grösser und dringlicher, als wir erwartet hatten.
Nico Nussbaum CTO Microagi.png
Nico Nussbaum - CTO, microagi

5. Worauf freut ihr euch im lokalen Umfeld am meisten?

Auf zwei Dinge, welche sich gegenseitig verstärken.

Das Erste ist das Talent. Die ETH Zürich und ihr Umfeld bringen genau die Ingenieurinnen, Ingenieure und Forschenden hervor, die wir brauchen. Menschen, die sich gleichermassen in Robotik, Machine Learning und Physik zu Hause fühlen. Für ein Unternehmen, dessen entscheidender Wettbewerbsvorteil im Umgang mit physischen Daten liegt, ist das von zentraler Bedeutung.

The first is talent. ETH and the people around it produce the engineers and researchers we need, people at home between robotics, machine learning and hard physics. For a company whose whole advantage is what it does with physical data, that is close to everything.

Das Zweite ist Vertrauen, und dessen Bedeutung wird oft unterschätzt. Unser Produkt verarbeitet das Sensibelste, was ein Industrieunternehmen besitzt: das Wissen darüber, wie seine Produktion tatsächlich funktioniert. Der Ruf der Schweiz für einen verantwortungsvollen Umgang mit Daten, Datenschutz und Neutralität ist kein weicher Standortfaktor, sondern ein echter wirtschaftlicher Vorteil. Wenn wir einem Kunden sagen, dass seine Betriebsdaten innerhalb eines Schweizer Rahmens gespeichert werden, mit den entsprechenden Datenschutzgarantien und der Möglichkeit einer On-Premises-Lösung, schafft das Vertrauen. Diese Glaubwürdigkeit an einem anderen Standort aufzubauen, würde Jahre dauern und erhebliche Investitionen erfordern.

Das nächste Kapitel von Physical AI

Nach dem Aufbau ihres Forschungsstandorts konzentriert sich microagi nun darauf, Forschung in industrielle Anwendungen im grossen Massstab zu überführen.

6. Wenn Ihr euch  eine Partnerschaft innerhalb des lokalen Technologieökosystems wünschen könnten, welche wäre das?

Die für uns wichtigste Partnerschaft ist die mit der ETH Zürich. Wir haben unseren Forschungsstandort ganz bewusst in ihrer Nähe aufgebaut. Diese räumliche Nähe prägt unsere Rekrutierung, unsere Forschung und die Fragestellungen, an denen wir arbeiten.

Was wir uns als Nächstes wünschen, ist ein führendes Schweizer Industrieunternehmen, das Atlas in seiner eigenen Produktion einsetzt. Die Schweizer Präzisionsindustrie ist nahezu ideal für das, was wir tun. Eine erste Leuchtturm-Implementierung mit einem Schweizer Unternehmen, die den Weg vom Pilotprojekt bis zum produktiven Einsatz innerhalb von achtzehn Monaten belegt, gehört zu unseren wichtigsten Zielen für das kommende Jahr.

7. Was steht bei microagi im kommenden Jahr im Fokus?

Wir verfolgen drei Ziele.

Erstens wollen wir unser Forschungsteam in Zürich bis Ende 2027 von zehn auf hundert Mitarbeitende ausbauen. Hier befindet sich das Zentrum unserer Daten- und Modellentwicklung, und wir erwarten, dass dieser Bereich zu den am schnellsten wachsenden Teilen des Unternehmens gehören wird.

Zweitens wollen wir Atlas in weiteren Produktionsumgebungen einsetzen und die aktuelle Dynamik in konkrete Referenzprojekte mit führenden europäischen Industrieunternehmen überführen. Jede neue Einführung erweitert unseren Datenbestand und beschleunigt die nächste. Gleichzeitig trägt jede Einführung dazu bei, Produktionsstandorte und die damit verbundenen Arbeitsplätze in Europa zu sichern.

Drittens wollen wir unsere Partnerschaften offen halten. Wir bleiben bei Hardware und Modellen technologieoffen, damit unsere Kunden für jede Anwendung die jeweils passende Robotiklösung erhalten.

Am Ende steht für uns ein Ziel, das wir öffentlich unter Beweis stellen wollen. Ein europäisches Unternehmen kann Roboter in achtzehn Monaten vom Pilotprojekt in die Produktion bringen und nicht erst in fünf Jahren. Wenn uns das gelingt, wird in der europäischen Industrie nicht mehr gefragt, ob Roboter eingeführt werden, sondern wie schnell.

Pressemitteilung: https://www.microagi.ai/articles/seed 
Microagis Antwort zu "Warum Zürich?": https://www.microagi.ai/articles/why-zurich

Manche Orte blicken auf eine lange Tradition zurück, wenn es darum geht, technologisch anspruchsvolle Herausforderungen zu meistern. Die Schweiz gehört zu den ältesten von ihnen. Die ETH Zürich steht seit ihrer Gründung im Jahr 1855 im Zentrum dieser Tradition und hat Generationen von Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftlern sowie Ingenieurinnen und Ingenieuren geprägt. Wir sind ein junges Unternehmen, das an einem anspruchsvollen Problem arbeitet. Deshalb war es für uns nur folgerichtig, den Kern unserer Forschung in unmittelbarer Nähe zu einer Institution aufzubauen, die sich seit mehr als 170 Jahren mit Präzision, wissenschaftlicher Exzellenz und der Lösung komplexer physischer Fragestellungen beschäftigt.
Bercan Kilic CEO Microagi, Portrait
Bercan Kilic - Co-Founder & CEO, microagi

Zahlen & Fakten: microagi 

  • Branche: Robotics, Embodied physical AI für die industrielle Automatisierung (Einführung von Robotik in industrielle Anwendungen)
  • Gründungsjahr: 2025 
  • Hauptsitze 
    • Globaler Hauptsitz: München, Deutschland. 
    • Standort Schweiz: Zürich (Forschungsstandort, direkt neben der ETH Zürich)
    • Weitere Standorte: London, Istanbul und New York. 
  • Mitarbeitende in der Schweiz (Schweiz): 10, mit geplantem Ausbau auf 100 bis Ende 2027
  • Mitarbeitende weltweit: 40 
  • Funktionen in der Greater Zurich Area: Globaler Hauptsitz für Forschung und Entwicklung im Bereich Robotik mit Fokus auf Daten- und Modellentwicklung, einschliesslich Post-Training, Simulation und Fine-Tuning, direkt neben der ETH Zürich.

 

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