Greater Zurich entwickelt sich leise, aber bestimmt zum globalen KI-Hotspot - nicht nur wegen Spitzenforschung, sondern dank eines einzigartigen Bildungssystems, das Theorie mit Praxis verbindet. Die Schweiz setzt auf Talente statt Ressourcen und zeigt, wie man durch konsequente Ausbildung und Offenheit für Innovation zur führenden KI-Nation Europas werden kann. Doch wer vorne bleiben will, muss jetzt doppelt investieren - in lokale Fähigkeiten und globale Kooperation.

Zum Autor:  Daniel Naeff ist Head of Innovation & Entrepreneurship am ETH AI Center. Er studierte Maschinenbau und industrielle Technik an der ETH Zürich und am MIT und war als Gründer und Investor in Frühphasenunternehmen tätig.

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Greater Zurichs KI-Aufschwung 

Die Greater Zurich Area hat sich - für manche still und leise, aber dennoch kraftvoll - als globaler Hotspot für Talente im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) etabliert. Die Region zieht erstklassige KI-Unternehmen an, neue Niederlassungen zu eröffnen, und motiviert bestehende Tech-Akteure dazu, ihre KI-Teams auszubauen und mehr Ressourcen in Zürichs dynamisches Ökosystem zu investieren. Zürich ist längst nicht mehr nur ein Ort, um Talente zu rekrutieren - es ist auch der Ort, an dem Talente bleiben, wachsen und führen wollen. 

Talente und die Stärke des dualen Bildungssystems 

Seit über 100 Jahren setzt die Schweiz auf langfristige Strategien in Bildung und Talententwicklung. Auch wenn sie nicht reich an natürlichen Ressourcen ist (oder vielleicht gerade deshalb), besitzt sie neben ihrer atemberaubenden Landschaft etwas weitaus Wertvolleres: hochgebildete, qualifizierte und anpassungsfähige Menschen. Dabei geht es nicht nur um Hochschulbildung. Insbesondere unser duales Bildungssystem - eine Kombination aus schulischer Ausbildung und praktischer Berufserfahrung - ist zentral für den Erfolg der Schweiz und ein entscheidender Faktor für die Stärke der KMU. Es fördert eine breite Basis an Fachkräften in verschiedensten Branchen und schafft eine einzigartig anpassungsfähige Arbeitskraft, die theoretische Tiefe mit praktischer Kompetenz vereint - ein entscheidender Baustein für die sichere Skalierung von KI-Anwendungen in unterschiedlichsten Sektoren. 

Der Fokus auf Humankapital hat über Generationen hinweg den Wohlstand des Landes geprägt. Mit der zunehmenden internationalen Anerkennung der Schweiz im Bereich KI wächst auch der Wettbewerb um Talente. Und ja, nicht alle profitieren gleichermassen davon, wenn mehr Unternehmen und Fachkräfte aus dem Ausland hinzukommen. Doch die Alternative - sich von Innovation abzuwenden - ist weit weniger attraktiv. Angesichts globaler Unsicherheiten und zunehmenden Wettbewerbs bleibt die Investition in Talente eine der besten Strategien der Schweiz. 

Mit der zunehmenden internationalen Anerkennung Zürichs im Bereich KI wächst auch der Wettbewerb um Talente.
Daniel Naeff, ETH AI Center
Daniel Naeff - Head of Innovation & Entrepreneurship, ETH AI Center

KI für alle Berufe 

KI ist nicht auf Labore oder Tech-Startups beschränkt. Sie hat das Potenzial, Fähigkeiten in nahezu jedem Berufsfeld zu erweitern. Dies wird durch die dienstleistungsorientierte Schweizer Wirtschaft zusätzlich begünstigt. Und mit einer Arbeitskraft, die bereits heute durch Kompetenz und Präzision überzeugt, wird KI zum Verstärker. Was es braucht, ist eine Kultur des kontinuierlichen Lernens und der Offenheit: nicht nur hochqualifizierte Fachkräfte einstellen, sondern auch jene, die bereit sind, KI in ihrer täglichen Arbeit anzuwenden. Wenn KI-Chancen auf Talente treffen, die bereit sind, sich weiterzuentwickeln, kann daraus ein exponentieller Mehrwert für Einzelpersonen, Unternehmen und die Schweizer Gesellschaft entstehen. 

Das Momentum verstärken 

Eine aktuelle Studie der Implement Consulting Group, economiesuisse und Google kommt zum Schluss, dass die breite Einführung von generativer KI in der Schweiz zu einem zusätzlichen BIP-Wachstum von 80–85 Milliarden CHF führen könnte – ein Plus von +11 % innerhalb von zehn Jahren. Und: Die Schweiz könnte aufgrund ihrer hohen Adoptionsbereitschaft und ihres Innovationsökosystems die führende Rolle im Bereich KI in Europa einnehmen. 

Mein Bauchgefühl sagt mir, dass das Potenzial sogar noch grösser sein könnte. Doch um dieses auszuschöpfen, reicht es nicht, weiterhin nur viele Patente anzumelden und in Rankings als innovativstes Land zu gelten. Wir müssen jedes Talent, jedes Unternehmen und jede Ressource willkommen heissen, die in Zürich und der Schweiz investieren möchten - UND gleichzeitig massiv in die lokale Forschung, Weiterbildung und Entwicklung von KI-Kompetenzen investieren. Wenn wir nur eines davon tun, gehen wir bildlich gesprochen mit einem Messer in ein Schusswaffenduell. 

Was die globalen Kämpfe betrifft, die die Schweiz gewinnen kann - der weltweite Wettbewerb um Talente gehört definitiv dazu. Und obwohl wir bereits gut positioniert sind, dürfen wir uns nicht ausruhen. Nicht jetzt und auch nicht später - im Gegenteil. Spannenderweise ist genau das auch der Weg, wie wir mehr von der weltweit geschätzten „Swissness“, unseren Werten und Erwartungen über kantonale und nationale Grenzen hinaus tragen können. Wenn wir Wohlstand und sichere KI-Systeme wollen - warum nicht hier beginnen?

GZA Jahresbericht 2024

GZA Jahresbericht 2024

2024 entschieden sich 91 internationale Unternehmen für die Greater Zurich Area als Sprungbrett für ihren globalen Erfolg. Unternehmensansiedlungen aus Biotech, Blockchain, Cleantech und einem AI-Boom bestätigen die Region ihre Rolle als führender Innovationshub. 

Was steckt hinter den Zahlen?

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Greater Zurich Area annual report 2024

Künstliche Intelligenz in Greater Zurich

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